Mayring Auswertung Beispiel Essay

Die Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring – Wie gehe ich vor?

20. April 2017

Die Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring – Wie gehe ich vor?

Die Inhaltsanalyse nach Mayring eignet sich immer dann, wenn es darum geht große Mengen von unstrukturierten Texten so zusammenfassen, dass Sie am Ende in der Lage sind, die zentralen Botschaften aus diesen Texte generieren zu können. Daher eignet sich z.B. die Inhaltsanalyse sehr gut für die Auswertung von Experteninterviews, da sie hier teilweise viele gleichlautende Informationen vorfinden werden. Es gibt einige wenige wichtige Schritte zu beachten, um erfolgreich die qualitative Inhaltsanalyse vorzunehmen. Am Beispiel von Experteninterviews bzw. deren Auswertung können – vereinfacht – folgende Schritte genannt werden: 1) Durchführung der Interviews, 2) Transkribierung der Interviews, 3) Codierung der Texte (Kategorienbildung und Generalisierung), 4) Auswertung. Wie es im Detail geht? Das erfahren Sie in unserem heutigen Tutorial! Viel Spaß damit!

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Interviewablauf: Was passiert vor dem Interview?

Experteninterviews werden in der empirischen Sozialforschung durchgeführt, wenn Informationen erhoben werden sollen, die nur von einem ausgewählten Personenkreis bereitgestellt werden können. Thematisch ist der Bereich dieser Informationen häufig eng begrenzt. Als Experten kommen Personen infrage, die über exklusives Wissen verfügen und üblicherweise Angehörige einer bestimmten Organisation oder Institution sind. Oft handelt es sich bei Experten um Angehörige der Führungsebene einer Organisation.

Hinweis: Für eine wissenschaftliche Untersuchung ist vor allem das Insiderwissen eines Experten interessant. Das betrifft zum Beispiel Abläufe, Vorhaben oder auch Entscheidungsstrukturen innerhalb einer Organisation.

Die Experten geben dann in einem Interview einen Einblick in ihre persönliche Sicht dieser Vorgänge. Wer im konkreten Fall als Experte infrage kommt, wird aus der Fragestellung der Untersuchung beziehungsweise aus einem vorab bestimmten Untersuchungsziel festgelegt.

 

Interviewablauf: Was passiert während des Interviews?

Üblicherweise kann ein Interview nur ein einziges Mal geführt werden und oft sind viel Zeit und Mühe notwendig, bis es zustande kommt. Darum sollte eine intensive Vorbereitung auf dieses Gespräch erfolgen. Mithilfe eines Leitfadens können die Struktur und die Logik des Interviews im Vorfeld festgelegt werden.

Hinweis: Ziel ist es, verständliche und einfache Fragen zu formulieren, die vom Experten leicht verstanden werden können. Missverständnisse sollten unbedingt vermieden werden.

In dem Interview sollte der Experte nach seiner persönlichen Einschätzung und seiner Erfahrung befragt werden. Im Leitfaden sollten Regieanweisungen vermerkt sein, wie der Interviewer bei bestimmten Antworten zu reagieren hat. Das ist wichtig, damit das Gespräch seinen roten Faden nicht verliert und keine Informationen verloren gehen.

Direkt vor dem Interview sollte zwischen dem Interviewer und dem Interviewten geklärt werden, wie das Gespräch aufgezeichnet wird und was mit den Daten anschließend geschehen soll. Üblicherweise werden die Aufnahmen nicht an Dritte weitergegeben, wenn der Interviewte dem nicht ausdrücklich zustimmt. Zusätzlich sollten der zeitliche und inhaltliche Rahmen des Interviews besprochen werden. Während des Interviews kann es zu einem Informationsgefälle zwischen beiden Akteuren kommen, denn oft verfügt der Experte über erheblich mehr Wissen als der Interviewer. Diese Lücke sollte durch gezielte und genaue Vorbereitung so gut wie möglich geschlossen werden. Damit kann auch verhindert werden, dass die Aussagen des Experten aus Unwissenheit des Interviewers nur an der Oberfläche bleiben oder der Experte vom Thema abschweift, ohne dass der Interviewer dies bemerkt und gegensteuert.

 

Interviewablauf: Was passiert nach dem Interview?

Die Auswertung des Interviews sollte streng nach wissenschaftlichen Methoden erfolgen. Dabei ist wichtig, dass nicht nur beliebige Teile des Gesprächs zur Auswertung herausgegriffen und die Passagen nach persönlicher Vorliebe des Forschers untersucht werden, stattdessen geht es im Nachgang des Interviews darum, geplant und systematisch das Gespräch zu analysieren.

Qualitative Inhaltsanalyse: Kategoriensysteme

Die Auswertung eines Experteninterviews kann mithilfe einer qualitativen Inhaltsanalyse erfolgen. Dafür muss das Gespräch zunächst in einer Form vorliegen, in der weitergearbeitet werden kann. Normalerweise werden Interviews transkribiert, was jedoch mit einem hohen Zeitaufwand verbunden ist.

Hinweis: Um den Aufwand zu reduzieren, kann das Gespräch auch schriftlich zusammengefasst werden. Das bietet sich an, wenn es nicht auf die genaue Formulierung des Experten ankommt, sondern es ausreicht, den Sinngehalt des Interviews zu erfassen.

Die sogenannte zusammenfassende Inhaltsanalyse nach Mayring sieht dabei folgenden Ablauf vor: Einordnung des Gesprächs; Reproduktion des Gesprächs; Erstellung eines Stichwortregisters; Identifikation der wichtigsten Themen; strukturierte Zusammenfassung des niedergeschriebenen Interviews und Intercoder-Reliabilitätsprüfung.

Beispiel: Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring

Nachfolgend wird eine strukturierende Inhaltsanalyse nach Mayring durchgeführt. Wichtig ist hier die Fragestellung der Untersuchung, die nun dabei hilft, die niedergeschriebene Version des Interviews zu untersuchen. Dabei werden Kategorien anhand bestimmter Themen und Aussagen gebildet. Die Kategorienbildung kann auf zwei Wegen erfolgen: entweder deduktiv, das bedeutet, die Ausgangshypothesen bilden die Grundlage der Kategorien, oder induktiv, wobei hier die Kategorien dem Interviewmaterial entstammen. Es sind auch Kombinationen möglich, zum Beispiel, wenn vorab Kategorien formuliert werden, die dann im Laufe der Untersuchung mit induktiv gewonnenen Kategorien aufgewertet werden. Im nächsten Schritt wird das Material codiert. Dabei werden die Informationen und Aussagen des Interviews in die bestehenden Kategorien eingeordnet.

Hinweis: Wichtig ist in diesem Schritt, dass das Textmaterial systematisch ausgewertet und für die anschließende Interpretation nutzbar gemacht wird. Bei induktiver Kategorienbildung erfolgt die Codierung zeitgleich mit der Kategorienbildung.

Nach Abschluss der Codierung werden die gewonnenen Erkenntnisse ausgewertet, die Aussagen des Experten werden in diesem Schritt interpretiert. Dies sollte Schritt für Schritt erfolgen und sich an den gebildeten Kategorien orientieren. Über die strukturierende Inhaltsanalyse hinaus können fragliche Aussagen des Experten überprüft und schwer verständliche Teile noch genauer erklärt und eingeordnet werden. Dieser Teil der Arbeit weist häufig stark deskriptive Elemente auf, vor allem dann, wenn die Sichtweise des Experten wiedergegeben wird. Einen normativen Einfluss erhält die Auswertung, wenn die Sichtweise des Experten zusätzlich noch bewertet wird. Wichtig ist dabei, dass der Sinngehalt der Aussage des Experten nicht verfälscht wird. Mithilfe einer Zusammenhangsanalyse können darüber hinaus auch Wirkungen zwischen Kategorien, Variablen, Hypothesen und Theorien geprüft werden. In größeren Untersuchungen wird die Auswertung des Experteninterviews von mehreren Personen vorgenommen. Dabei interpretieren möglichst viele Teilnehmer bestimmte Textstellen auf die gleiche Weise, was dazu führt, dass diese Deutung an Gewicht gewinnt. Besteht hingegen kein Konsens, muss die Interpretation noch einmal überarbeitet werden.

Hinweis: Bei qualitativen Analysen werden für die Ergebnisse Verallgemeinerungen anhand von Einzelfallentscheidungen vorgenommen. Dabei werden repräsentative Fälle herangezogen, wenn deren Entwicklung typische Muster erkennen lässt.

Bei qualitativen Untersuchungen ist die Anzahl der Fälle eher gering, weshalb zur Beurteilung dahin gehend, ob es sich um einen repräsentativen Fall handelt oder nicht, weitere Literaturhinweise oder Theorien herangezogen werden müssen. Diese Vorgehensweise führt nicht selten zu Problemen. Wird in der Auswertung eine vergleichende Position eingenommen, kann die Analyse einfacher durchgeführt werden. Die Interpretation und Beurteilung können erfolgen, wenn ähnliche Fälle zusammengefasst, erklärt und anschließend mit denen verglichen werden, die andere Merkmale aufweisen.

Wie sieht das nun konkret aus?

Um an einem Beispiel verdeutlichen zu können, wie die Aussagen eines Experten codiert werden können, wird angenommen, du führst ein Interview mit einem Bundestagsabgeordneten (Experte) drei Monate nach seiner Wahl in das Parlament. In dem Interview möchtest du herausfinden, womit ein neu gewählter Abgeordnete in Berlin seine Zeit verbringt und welche Besonderheiten hier auftreten. Dazu hast du im Vorfeld aus der Literatur hergeleitet, dass ein durchschnittlicher Abgeordneter seine Zeit wie folgt verbringen müsste (deduktive Kategorienbildung): A) Fraktionsinterne Treffen und Fraktionssitzung, B) Ausschussarbeit, C) Sitzung im Plenum des Parlaments, D) Treffen mit Interessenvertretern, E) Beratung mit den Mitarbeitern des Berliner Büros und F) Sonstiges.

Hinweis: Die Zuordnung zu Kategorien hilft dir nicht nur dabei, die Ergebnisse in der Auswertung vergleichbar zu machen, sie sorgt auch dafür, dass du dein Material für dich strukturierst!

Du kannst nun die Aussagen des Abgeordneten den jeweiligen Kategorien zuordnen: Spricht er davon, dass er sich morgens zuerst im Büro mit seinen Mitarbeitern berät und die anstehende Rede am Nachmittag redigiert, dann könntest du diese Aussage in die Kategorie E) einordnen. Anschließend kommen die Arbeitskreise der Fraktion zusammen und bereiten die Positionen in den Ausschüssen vor. Da der Abgeordnete den Vorsitz einer Arbeitsgruppe hat, muss er dafür besonders viel Zeit aufbringen, denn das Arbeitsumfeld ist noch neu für ihn. Diese Tätigkeit codierst du dann in Kategorie A). Danach findet die Ausschusssitzung statt, die du als B) kategorisierst. Als neu gewählter Abgeordneter ist der Koordinierungsaufwand seines Berliner Büros noch recht hoch, denn die Abläufe müssen sich dort erst einspielen. Darum findet nach der Ausschusssitzung ein weiteres Treffen mit seinen Mitarbeitern statt, das du wiederum mit E) codierst.

Diese Form des Interviews könnte in diesem Beispiel nun mit mehreren neu gewählten Abgeordneten aus verschiedenen Fraktionen geführt werden. Zudem müsste das Interview auch mit Abgeordneten geführt werden, die schon länger ein Mandat haben (Kontrollgruppe). Anschließend kannst du Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Arbeit der Bundestagsabgeordneten herausstellen.

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